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Willkommen im Johanna-Stahl-Zentrum

Im dreißigsten Jahr seines Bestehens präsentiert sich das Zentrum für jüdische Geschichte und Kultur in Unterfranken mit vielseitigen Aktivitäten. Das ehemalige Dokumentationszentrum trägt seit 2011 den Namen der Journalistin Dr. Johanna Stahl.

Wir möchten Sie informieren über die Veranstaltungen, Angebote und Sammlungsbestände des Zentrums und laden Sie herzlich dorthin ein. Vielleicht möchten Sie auch Ihre Erinnerungen mit uns teilen oder uns Fotos und Dokumente aus der gemeinsamen Geschichte von Christen und Juden unserer Region überlassen?

DenkOrt Aumühle - Unterfranken gedenkt seiner deportierten Juden

Der ehemalige kleine Güterbahnhof an der Aumühle in Würzburg, der sog. Aumühl-Ladehof hat eine traurige Bedeutung für ganz Unterfranken: Von hier wurde ein großer Teil der aus Unterfranken deportierten Juden 1941/42 abtransportiert. Daran soll künftig der "DenkOrt Aumühle" auf dem historischen Aufgang zu den Gleisen erinnern.

Bereits seit mehr als zwei Jahren ist eine Vorbereitungsgruppe um Dr. Josef Schuster als Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde und den Würzburger Oberbürgermeister Christian Schuchardt mit dem Projekt befasst. Die Beteiligten setzen sich aus der Projektgruppe "Wir wollen uns erinnern", Vertretern der Regierung, des Bezirk und der Jugendbildungsstätte Unterfranken, einigen Heimatpflegern und dem Würzburger Bündnis für Zivilcourage zusammen. Ihre Ideen mündeten in einem schriftlichen Konzept und dem Architekten-Entwurf für das Denkmal.

02 Erinnerungsweg 2011 Z
Der „DenkOrt Aumühle“ wird den Abschluss des Weges der Erinnerung markieren, der seit 2010/11 durch das Denkmal am ehemaligen Platz’schen Garten und durch Betonschwellen im Bürgersteig mit der Aufschrift „Wir wollen erinnern“ kenntlich gemacht ist. Er wurde im Mai 2011 im Rahmen des unterfrankenweiten Gedenkgangs eingeweiht, der in besonderer Weise an die 852 Opfer der dritten Deportation erinnerte. Denn über diese Strecke gingen diese und weitere jüdische Unterfranken ihren letzten Weg in der Heimat, bevor sie in die Lager in Osteuropa deportiert und dort ermordet wurden.

03 Denkmal Platzscher Garten Z
Am Ende dieses Weges soll nun ein zentrales Denkmal für alle aus Unterfranken deportierten Jüdinnen und Juden entstehen. Die meisten von ihnen, 1.794 Personen, mussten hier die Transportzüge besteigen, weitere am Hauptbahnhof Würzburg und eine Gruppe von 208 Personen in Kitzingen. Insgesamt 2.068 Menschen wurden aus Unterfranken deportiert – nur 60 von ihnen überlebten.

04 Aumühle heute (c) Braun Z05 Luftbild Aumühle (c) evtl. Stadt Wuerzburg Z
Der frühere Aufgang von der Schweinfurter Straße zum ehemaligen Aumühl-Ladehof ist heute eine verwahrloste, etwa 80 Meter lange Sackgasse. Darauf ist ein Stück des historischen Pflasters erhalten. Ein Durchgang zum Bahngelände ist durch den dichten Bewuchs nicht mehr möglich. Das Areal gehört der Stadt Würzburg, die es für das Mahnmal zur Verfügung stellt.

06 Kofferhaufen Auschwitz I-Stammlager (c) Wikipedia Z07 Schwarzes Band Z

07 Wir wollen erinnern Betonstein ZDie Grundidee der Projektgruppe besteht darin, Gepäckstücke zum zentralen Symbol für die Deportationen am authentischen Ort zu machen und sie symbolisch mit einem zweiten Gepäckstück in den Herkunftsgemeinden der Opfer zu verbinden. Fotos in Auschwitz erhaltener Koffer von Deportierten sowie besonders die historischen Fotos mit abgelegtem Gepäck zwischen den Zügen an der Aumühle liefern die Vor-Bilder. Auf beiden Seiten laufen Menschen vorbei. Dies griff der Würzburger Architekt und Künstler Matthias Braunexterner Link auf. Er setzt in seinem Gestaltungs-Entwurf den Erinnerungsweg mit seinen Schwellen fort, der sich als Band vom Platz’schen Garten zur Aumühle zieht.
08 Gepäckstücke Aumühle mit Pfeilen Z09 Gepäckstücke auf dem Denkmal - Präsentation Z
Braun schichtet die Gepäckstücke auf eine stufenartige Trägerkonstruktion aus Corten-Stahl. Sie erschließt das ansteigende Gelände. Auf beiden Seiten kann man sie umrunden. Sie bietet Platz für mehr als 109 Rucksäcke, Koffer und Deckenrollen – ein Gepäckstück für jede jüdische Gemeinde, die 1932/33 noch bestand. Dabei spielt es keine Rolle, dass sich einige dieser Gemeinden noch vor den Deportationen unter dem Druck der NS-Verfolgungspolitik und der Abwanderungen auflösten.

10 Erinnerungsband von oben Z

12 Erinnerungsband v.d. Seite ZJede heutige Kommune, zu der die Orte der damaligen jüdischen Gemeinden gehörten, ist aufgerufen, sich mit einem Gepäckstück an diesem langsam wachsenden Denkmal zu beteiligen. Ein zweites, baugleiches Stück ist für den Ort selber vorgesehen – als Verbindung zwischen dem Ort und dem zentralen Deportationsschauplatz am ehemaligen Aumühl- Ladhof. Innerhalb eines vorgegebenen Rahmens kann die Kommune über das Aussehen und das Material ihres Gepäckstücks entscheiden und dieses selber herstellen lassen. Der Künstler wird dafür Hinweise erarbeiten.

14 Gepäckstücke Objektanordnung (c) Braun Z
Jedes Gepäckstück soll einen Hinweis darauf zeigen, für welche jüdische Gemeinde es steht bzw. aus welcher Kommune es kommt. Im Umfeld des lang gestreckten Denkmals werden weitere Informationen zum historischen Geschehen und zur Bedeutung des Ortes angeboten, eine Liste der jüdischen Gemeinden von 1932/33 inbegriffen. Vertiefende Informationen können online abgerufen werden.

15 Plakatwände für Aufmerksamkeit (c) Braun Z

16 Wir wollen erinnern Verbindung, Schuhsohlen ZSchließlich werden Plakatwände mit historischen Fotos, Fußspuren und ähnliches im Umfeld des DenkOrts vorbeifahrende oder –laufende Passanten auf den Ort aufmerksam machen.

Der DenkOrt ist jedoch nicht nur für die Kommunen gedacht, in denen es 1932 noch jüdische Gemeinden gab. Denn im 19. Jahrhundert war deren Zahl noch deutlich größer. Zum anderen sind die Erinnerung und die Mahnung an das Verfolgungsgeschehen der NS-Zeit nicht auf Orte beschränkt, die jüdische Gemeinden hatten. Auch die knapp 200 Kommunen in Unterfranken ohne jüdische Gemeinde sind also aufgerufen, sich an dem DenkOrt zu beteiligen: Indem sie einen Beitrag zu seiner Finanzierung leisten und damit die Lasten auf möglichst viele Schultern verteilen; und indem sie aktiv für ihre Gemeinde die pädagogischen Angebote nutzen, die zu dem Projekt durch die Jugendbildungsstätte Unterfranken geplant sind. Hierzu wird ein flankierendes Projekt beantragt werden.

Angesichts der aktuellen Zunahme von rassistischem und fremdenfeindlichem Gedankengut, von Angriffen auf Flüchtlinge und ihre Unterkünfte, von verbaler Aufrüstung und neuen nationalistischen Tönen ist die Erinnerung an die Geschichte der deportierten Menschen und an die gesellschaftliche Entwicklung, die ihre Verfolgung und Ermordung ermöglicht hat, genauso wichtig wie das Denkmal.

Bitte wenden Sie sich mit Fragen oder mit Ihrer Zusage über eine Beteiligung an die folgenden Adressen.

Kontakt

Projektgruppe „Wir wollen uns erinnern“
Benita Stolz, Koordination
Unterdürrbacher Str. 346
Tel. 0931-96481, stolz@denkort-aumuehle.de

Johanna-Stahl-Zentrum für jüdische Geschichte
Dr. Rotraud Ries, Leiterin
Valentin-Becker-Str. 11
97072 Würzburg
Tel. 0931-18275, ries@denkort-aumuehle.de


Das Copyright für die auf dieser Seite verwendeten Abbildungen haben inne: Zehranur Aksu, Matthias Braun, Stadtarchiv Würzburg (KuP, A 45/1), Konrad Kurzacz (Koffer in Auschwitz, Wikipedia), Staatsarchiv Würzburg (Gestapo 18880a).